EnkeApp kann Betroffenen bei Depressionen helfen: Vielseitige Unterstützung im Umgang mit Depressionen

Leider sind psychische Erkrankungen immer noch ein Tabuthema in unserer Gesellschaft. Dabei sind viele Menschen unter uns davon betroffen. Die Bornemann Migardo GmbH ist daher für einen transparenteren Umgang und hat im letzten Jahr in Zusammenarbeit mit der Robert-Enke-Stiftung eine App entwickelt, die Menschen mit Depressionen und deren Umfeld beim Umgang mit der Krankheit helfen soll: die EnkeApp

Depressionen können jeden betreffen – auch Sportler

Sport ist gesund, hält fit und kann vielen Krankheiten vorbeugen – doch leider nicht Depressionen. Dies wurde nach dem Selbstmord von Robert Enke im Jahr 2009 deutlich. Der deutsche Nationaltorwart hatte während seiner aktiven Zeit jahrelang unter der Erkrankung gelitten.

Verschiedene Faktoren begünstigen die Entstehung von Depressionen:

  • Leistungs- und Erfolgsdruck
  • Versagensängste
  • Überforderung
  • fehlende Anerkennung
  • Kritik
  • Mehrfachbelastung (Privatleben, Arbeit, Sport)
  • öffentliche Beobachtung und Beurteilung
  • übersteigerter Anspruch
  • starkes Konkurrenzdenken

Diese Punkte sind gerade im Leistungssport weit verbreitet. Doch Menschen sind unterschiedlich und auch jeder Sportler geht dementsprechend anders mit den genannten Faktoren um.

In Zusammenarbeit mit der Robert-Enke-Stiftung

Die Bornemann Migardo GmbH ist seit Jahren auf die Entwicklung von App spezialisiert. Die Hauptthemen sind hierbei SOS/Notfall, GPS und Kommunikation. In Zusammenarbeit mit der Robert-Enke-Stiftung wurde im letzten Jahr die EnkeApp entwickelt. Wie genau es zu der Zusammenarbeit kam und was die EnkeApp bei dem Thema Depressionen genau leisten kann, erklärt Johanna Rothmann, Mitglied der Geschäftsführung.

Wie genau ist die Zusammenarbeit mit der Robert-Enke-Stiftung entstanden?

Als Unternehmen aus Hannover haben wir die Geschichte mit Robert Enke vor einigen Jahren ziemlich genau mitbekommen und hatten seit der Gründung immer wieder Berührungspunkte mit der Robert-Enke-Stiftung. Als wir im Jahr 2012 entschieden haben uns den Themen SOS und Notruf mehr zu nähern, kam auch die Idee auf, mit unseren Produkten Menschen in verschiedenen Situationen Hilfe anzubieten und sie technisch zu begleiten.

Depressionen sind immer noch ein Tabuthema – besonders bei Sportlern. Wieso?

Der Leistungs- und Erfolgsdruck ist bei Sportlern besonders hoch. Sie stehen dauerhaft unter Beobachtung und werden von Außenstehenden direkt bewertet. Dies kann Sportler überfordern und etwa Versagensängste auslösen. Häufig werden solche Situationen aber nicht früh genug erkannt und ernst genommen.
Allerdings finden wir solche Tendenzen nicht nur bei Sportlern. Alle Menschen können davon betroffen werden. Die EnkeApp richtet sich also im Allgemeinen an jeden, der in solch eine Situation involviert ist bzw. sie als Außenstehender beobachtet oder mitbekommt. All diesen Menschen kann die App eine Unterstützung bieten.

Robert Enke, langjähriger Torwart bei Hannover 96 und Mitglied der Nationalmannschaft, nahm sich 2009 das Leben. Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits mehrere Jahre mit Depressionen gelebt.
Die EnkeApp soll nun Menschen mit dieser Erkrankung helfen. Wie lange ist die App schon auf dem Markt und was bietet sie?

Seit Oktober 2016 steht die EnkeApp der Robert-Enke-Stiftung in den App Stores für Android und iOS kostenlos zum Download bereit. Nur für den SOS-Ruf im Notfall ergeben sich Kosten. Bisher gab es bereits über 50.000 Downloads.
Die App bietet verschiedene Funktionen. Sie kann durch eine ganze Reihe an aktuellen und allgemeinen Informationen aufklären und bietet so betroffenen, aber auch interessierten Menschen ein vielfältiges Angebot. Zudem steht sie beratend zur Seite. Nutzer können Selbsttest machen, erhalten Antworten auf verschiedenste Fragen rund um das Thema Depressionen und können sie zusätzlich interaktiv nutzen.

Ein wichtiger Punkt ist der SOS Bereich. Was genau passiert dabei?

In dem SOS Bereich findet sich zuerst einmal eine Beratungshotline. Hierfür arbeitet die Robert-Enke-Stiftung mit der Uniklinik RWTH Aachen zusammen. Zusätzlich gibt es einen Gruppen-Ruf. Wenn dieser betätigt wird, werden Freunde und Verwandte benachrichtigt und können sofort Kontakt mit dem Nutzer aufnehmen. Hierfür muss zuvor eine Gruppe mit diesen festgelegten Personen erstellt werden. Mit denen kann man anschließend auch kommunizieren. Bei einem Gruppen-Ruf wird der aktuelle Standort und die “Bitte um Hilfe” gleichzeitig an alle Personen in dieser Gruppe weitergeleitet.
Für den akuten Notfall bietet sich der SOS Knopf an. Nach dem Betätigen des SOS-Knopfes auf dem Bildschirm wird direkt ein Notruf herausgegeben, der direkt bei der Notfallzentrale landet. Hier werden umgehend entsprechende Maßnahmen eingeleitet, um schnelle Hilfe zu gewährleisten. Dabei kann ein vorher angelegtes Profil in der App eine große Hilfe leisten.
Die Zentrale benachrichtigt zusätzlich den zuvor hinterlegten persönlichen Notfallkontakt.

Wie wurde die App von Erkrankten und deren Umfeld aufgenommen?

Bisher wurde die EnkeApp sehr gut aufgenommen. Wir freuen uns, dass die Robert-Enke-Stiftung mit der App nicht nur die Erkrankten selbst, sondern auch deren Umfeld erreicht hat und ihnen allen eine Hilfe bieten kann. Denn das gemeinsame Ziel war es, Barrieren abzubauen, die Krankheit zu enttabuisieren und sich im Alltag stattdessen bewusst mit ihr auseinanderzusetzen. Dies funktioniert durch eine nützliche Aufklärung und vorgegebene Austauschmöglichkeit innerhalb der Familie und mit Freunden sehr gut.

Gibt es Beispiele dafür, dass die App bereits Erfolge erzielt hat?

Wir können bisher erkennen, dass der Gruppen-Ruf rege genutzt wird. Sie dient offenbar als große Erleichterung untereinander, besonders in ernsten Situationen.

Wie kann die App bei Depressionen helfen?

Die EnkeApp wurde entwickelt, um sich mit dieser Erkrankung gezielt auseinander setzen zu können. Dabei kann sie nicht nur erkrankten, sondern auch anderweitig involvierten Personen eine Stütze im Alltag sein. Die App betreibt Aufklärung und geht dabei ernst, aber auch spielerisch an das komplexe Thema heran. Jeder Interessierte kann sich hier kostenlos über das Krankheitsbild, Risiken, Gefahren und Behandlungsmöglichkeiten informieren und sich bei Bedarf auch direkt am Telefon beraten lassen. Je nach Bedarf kann man in der EnkeApp einzelne Funktionen auswählen:

→ Für Erkrankte

Wenn man persönlich unter Depressionen leidet, kann die App mehrere Hilfsangebote liefern. Zum einen verfügt sie über einen SOS Bereich, in dem mehrere Funktionen verfügbar sind.
Erkrankte finden dort eine professionelle Beratungshotline, die sie telefonisch kontaktieren können. Sie kann ihnen bei Fragen oder Problemen weiterhelfen. Die Hotline wird von der Uniklinik RWTH Aachen betrieben, mit der die Robert-Enke-Stiftung zusammenarbeitet.
Zudem gibt es den Gruppen-Ruf. Wenn Nutzer der App diesen betätigen, werden automatisch eine Nachricht an eine zuvor eigens angelegte Gruppe von Personen gesendet. Hierbei kann es sich etwa um die Familie, Freunde und Bekannte handeln.
Eine weitere Möglichkeit bietet abschließend der SOS Knopf. Wird dieser von dem Nutzer betätigt, wird hiervon unverzüglich die Notfallzentrale informiert. Sie kann umgehend reagieren und alle notwendigen Schritte einleiten, damit schnellstmöglich Hilfe erfolgen kann. Auch der individuelle Notfallkontakt wird von ihr benachrichtigt.
Bei beiden Hilferufen, sowohl an die Gruppe als auch an die Notfallzentrale, werden gleichzeitig der aktuelle Standort sowie das persönliche Profil des Nutzers übermittelt. Dies kann für eine korrekte Reaktion und richtige Behandlung äußerst hilfreich sein.

→ Für Familienangehörige, Partner und Freunde

Die App bietet aber auch indirekt Betroffenen, wie Familienangehörigen oder Freunden, eine Unterstützung im Umgang mit Depressionen. Sie kann ihnen wichtige Fragen beantworten oder durch die Gruppenfunktionen Erleichterung im Alltag verschaffen. Die EnkeApp enttabuisiert das Thema und baut gleichzeitig Hemmschwellen ab. Hierdurch ist die Kommunikation untereinander deutlich leichter worden, was für beide Seiten Verbesserung bedeutet. Durch die App kann eine Brücke übertreten werden: die Isolation.

Statt Isolation besser Kommunikation

Wenn sich der Erkrankte erst mal in einer Abwärtsspirale befindet, ist es schwer, diese wieder zu bremsen. Eine Isolation ist dann extrem gefährlich, denn die Selbstaufgabe geht meist im Stillen vor sich. Dies kann im schlimmsten Fall, wie bei Robert Enke zum Suizid führen.

Die EnkeApp dient hierbei als Hilfsangebot für alle Betroffenen – direkt oder indirekt. Sie klärt über mögliche Ursachen und den richtigen Umgang auf und zeigt Möglichkeiten, um den Teufelskreis zu durchbrechen. Abhängig von der Schwerer der Krankheit und dem aktuellen Zustand gibt es hierbei verschiedene Ansätze: von der persönlichen Beratung am Telefon bis zur Einweisung in eine Fachklinik.
Wichtig ist jedoch in jedem Fall der Kontakt nach außen. Menschen, die für einen da sind. Depressionen gehören zu den häufigsten Erkrankungen in Deutschland und sollten immer ernst genommen werden. Man sollte nicht das Risiko eingehen, dass aus einer leichten Verstimmung ein massives Problem wird, das die eigene Lebensqualität so stark mindert, dass ein glückliches, erfülltes Leben undenkbar wird.